Reform der Lehrerbildung in Hamburg

Der Reformprozess der Lehrerausbildung in Hamburg begann schon 1999 mit der Einsetzung der Hamburger Kommission Lehrerbildung (HKL), bzw. mit den Empfehlungen dieser Kommission aus dem Jahr 2000.

Als ein Kernbereich der Reform wurde damals die stärkere Ausrichtung des Studiums auf die Erfordernisse der späteren Berufstätigkeit beschrieben. Auch wurde die Einführung einer Berufseingangsphase dringend empfohlen. Die beiden Phasen der Ausbildung (Universität und Referendariat) sollen, so eine weitere dringende Empfehlung, sich besser abstimmen und kooperieren. Diese Ziele haben Eingang gefunden in die
Bürgerschaftsdrucksache 18/3809 vom 28.02.2006 als Mitteilung des Senats an die Bürgerschaft.

Es gibt hinsichtlich der inhaltlichen Zielsetzung der Reform eine Kontinuität über die letzten drei Legislaturperioden hinweg. Das gilt auch für die jüngste Regierungsbildung für die laufende, 19. Legislaturperiode am 24.02.2008. Die o.a. grundlegende inhaltliche Zielsetzung ist weiterhin die Richtschnur der Reform.

Neu ist jetzt, dass für alle Lehrämter (gehobener sowie höherer Dienst) eine gleichlange Ausbildungszeit vorgesehen ist: 3 Jahre Bachelor plus 2 Jahre Masterstudium plus 18-monatigem Vorbereitungsdienst. Damit wird eine Abkoppelung der Ausbildung für Grundschulen und für die Sekundarstufe I der Stadtteilschulen von den übrigen lehramtsbezogenen Master-Ausbildungsgängen verhindert und vor allem eine gute organisatorische Grundlage geschaffen, um auf die Erkenntnisse aus den Schulbegleitforschungen zu reagieren, die eine Vertiefung der wissenschaftlichen Grundlagen z.B. zur individuellen Förderung von Kindern und der pädagogischen Diagnostik nahelegen.

Struktur der Lehrerausbildung  

Was ist bisher passiert – ein Zwischenstand

1. Die Lehrerausbildung wurde modularisiert und auf Bachelor- und Masterstruktur umgestellt:
Mit Wintersemester 2007/2008 sind alle in Hamburg angebotenen Lehramtsstudiengänge auf die neue Bachelor- und Masterstudienstruktur umgestellt worden; d.h., dass alle Studierende, die seit WS 2007/2008 in Hamburg ein Lehramtsstudium aufgenommen haben, in der modularisierten und konsekutiven Struktur studieren. Das Studium beginnt einmal jährlich im Wintersemester.

2. Die Lehramtsstudiengänge sind stärker auf die Erfordernisse der späteren Berufstätigkeit in den Schulen ausgerichtet worden:

Für alle Lehramtsstudiengänge gilt: Studiert werden vom 1. Semester an zwei (Unterrichts-) Fächer plus beide entsprechenden Fachdidaktiken und Erziehungswissenschaft.
Hinzu kommen Praktika, diese sind im BA-Studiengang die PE (Praxisbezogene Einführung) und das ISP (Integriertes Schulpraktikum). Im MA-Studiengang ist es das Kernpraktikum.

Eingeführt wird ein standardisiertes Eignungsverfahren. Damit besteht bereits vor der Immatrikulation und nochmals gegen Ende des Bachelorstudiengangs die Möglichkeit für die Studierenden, sich ein Bild über ihre persönliche Eignung für diesen schönen und zugleich anspruchsvollen Beruf zu machen.

3. Der Praxisbezug wurde deutlich erhöht:

Wesentliches Element zur Erhöhung des Praxisbezugs wird eine intensive Praxisphase während des Masterstudiengangs – im Volumen eines ganzen Semesters, verteilt auf zwei Module á 15 LP im 2. und 3. MA-Semester - sein. Für die Planung sowie die Durchführung / Begleitung dieses Praktikums ist die Universität gemeinsam mit dem für den Vorbereitungsdienst zuständigen Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung (LI) verantwortlich. Eine so intensive konzeptionelle und personelle Kooperation der Institutionen der beiden Phasen hat es bislang noch nicht gegeben.

4. Kerncurricula und prioritäre Themen sind eingeführt worden:

In beiden Ausbildungsphasen gibt es verbindliche Verabredungen über die wichtigsten Inhalte der Ausbildung. Für die drei fachübergreifenden “prioritäre Themen“: Schulentwicklung, Neue Medien und Umgang mit sozialer und kultureller Heterogenität sind gesonderte Kerncurricula erarbeitet worden. Für alle Studierenden für ein Lehramt der allgemeinbildenden Schulen wurde ein verbindliches Modul „Umgang mit Heterogenität/Deutsch als Zweitsprache“ im Studium eingerichtet. Insbesondere das prioritäre Thema Umgang mit sozialer und kultureller Heterogenität wird noch an Bedeutung für die Lehrerausbildung gewinnen. In den Grundschulen (Jahrgangsstufen 0 bis 4) sowie in den Stadtteilschulen (Jahrgangsstufen 5 bis 10) wird das gemeinsame Lernen zum allgemeinen pädagogischen Programm.

5. Das Prüfungswesen wurde reformiert:

Kennzeichnend für die Reformierung des Prüfungswesens sind die mit der Modularisierung einhergehenden prüfungsabschichtenden Leistungen, die jeder Studierende während seines Studiums erbringen muss; d.h.: jedes Modul beinhaltet Prüfungselemente, die schließlich Eingang in die Abschlussnote des Bachelor-, bzw.  des Masterstudiengangs finden.

6. Die zweite Phase (Referendariat) wurde gestrafft und inhaltlich neu gestaltet:

Die Abteilung Ausbildung des Landesinstituts bereitet Absolventen der Lehramtsstudiengänge aus dem In- und Ausland auf ihre vielfältigen Aufgaben in der Berufspraxis der Lehrerinnen und Lehrer vor. Auch hier wurden durch die Reform der Lehrerbildung neue Schwerpunkte gesetzt:

  • Studium und Vorbereitungsdienst (Referendariat) wurden aufeinander abgestimmt.
  • Das Referendariat wurde von 24 Monaten auf 18 Monate gekürzt und mit der anschließenden Fortbildung verzahnt.
  • Die prioritären Themen “Neue Medien”, der “Umgang mit kultureller und sozialer Heterogenität” und “Schulentwicklung” wurden verbindlich verankert.

In der Ausbildung des Referendariats in Hamburg wurden bewährte Elemente der kontinuierlichen Ausbildung in Seminargruppen durch modularisierte Ausbildungsteile ergänzt. Diese Module berücksichtigen neben Themen des Kerncurriculums auch schulaktuelle Entwicklungen und Referendarswünsche. So ermöglicht die Ausbildung eine individuelle Schwerpunktsetzung und trägt zur Entwicklung eines persönlichen Profils bei. In den Wahlmodulen werden praxisrelevante Themen der Ausbildung vertieft und exemplarisch bearbeitet. Alle Module werden einem der folgenden fünf Kompetenzbereiche zugeordnet:

  • Diagnostizieren / Beraten / Beurteilen
  • Entwickeln / Innovieren
  • Erziehen
  • Organisieren / Verwalten
  • Unterrichten

Die Qualität der Ausbildung im Referendariat wird inzwischen regelmäßig evaluiert.

7. Es wird eine Berufseingangsphase angeboten:

Die Berufseingangphase (BEP) wurde in Hamburg am LI zunächst als Angebot für neueingestellte Lehrerinnen und Lehrer etabliert. Diese berufsbegleitende Eingangsphase ist ausdrücklich nicht Teil der Lehrerausbildung, sondern ist Teil der Lehrerfortbildung. Ziel ist es, die jungen Lehrkräfte in dieser entscheidenden Phase durch schulnahe, kompetenzbezogene und kollegial-kooperative Begleitung zu unterstützen und so die Professionalität der Berufsanfänger zu stärken. Ziel ist es ebenso, ihnen die Sozialisation und Integration an den Schulen zu erleichtern. Von diesem auf freiwilliger Teilnahme basierenden Angebot haben in der Vergangenheit bereits ca. 50% der Neueingestellten Gebrauch gemacht. Um die positiven Effekte auszuweiten, wird die Teilnahme an der BEP für alle Berufseinsteiger verbindlich.

8. Die Koordination der Institutionen der Lehrerbildung wurde abgesichert:

Hamburg hat im Juni 2006 ein Zentrum für Lehrerbildung (ZLH) eingerichtet, in dem seitdem die Schulbehörde bzw. das Landsinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung und die Universität sowie die an der Ausbildung beteiligten Hochschulen institutionell zusammenarbeiten. Beteiligt ist das ZLH an der Erstellung der Studien- und Prüfungsordnungen und bei der Akkreditierung der Lehramtsstudiengänge. Auch die Abstimmung der Vorschläge zur Ausgestaltung der Praxisphasen im Masterstudiengang (Kernpraktikum) gehört zu den Aufgaben des ZLH.

Zudem arbeiten für alle Unterrichtsfächer und den o.a. prioritären Themen übergreifende Arbeitsgruppen – Sozietäten. Sie haben z.B. die Kerncurricula für die fachlichen Teilstudiengänge entwickelt, die Modulbeschreibungen der Bachelorstudiengänge unter dem Gesichtspunkt der Schulpraxis geprüft und Vorschläge zur Verbesserung unterbreitet.

Stand: Juli 2010